Maurus Strobel
Hintergrund

Indiana-CEO: «Foilen ist der perfekte Mix aus Fitness und Adrenalin»

Siri Schubert
27/3/2025

Ob Skateboarden, Stand-Up-Paddeln oder Pumpfoilen: Der Schweizer Maurus Strobel kann sich für jeden Boardsport begeistern. Ich habe den Gründer der Marke Indiana auf der Wassersportmesse «Boot» getroffen. Was er über die Zukunft der Trendsportart Foilen in der Schweiz denkt, erfährst du im Interview.

Die Marke Indiana Paddle & Surf ist seit Jahren eine feste Grösse in der Schweizer Wassersportszene. Gründer Maurus Strobel ist selbst oft auf dem Wasser anzutreffen. Mal auf dem Surfbrett, dann auf dem SUP oder auf dem Wakeboard. In den letzten Jahren ist er grosser Fan des Trendsports Foilen geworden und fliegt vermehrt auf Tragflächen übers Wasser. Im Interview erzählt er, warum ihn der Sport fasziniert und wo die Entwicklung seiner Meinung nach hingeht.

Maurus, du bist Gründer und CEO von Indiana Paddle & Surf. Kannst du dich und dein Unternehmen kurz vorstellen?
Schon als kleiner Junge war ich fasziniert von Boardsport. Angefangen mit Skateboarden, dann Snowboarden, Windsurfen, Wellenreiten und Kiten. Nun bin ich seit Jahren begeistert vom Foilen. Beruflich hab ich Sportlehramt an der ETH studiert und war anschliessend in der Event- und PR-Branche aktiv. Seit 2017 bin ich zu hundert Prozent für die Marke Indiana Paddle & Surf im Einsatz , die wir 2010 ins Leben gerufen haben. Wir entwickeln und verkaufen nur Produkte, die uns auch selber Spass machen. Inflatable und Carbon SUPs, Surfboards und Foils und Foilboards.

Indiana-CEO Maurus ist selbst viel im Wasser und auf den Wellen aktiv.
Indiana-CEO Maurus ist selbst viel im Wasser und auf den Wellen aktiv.
Quelle: Maurus Strobel

Wir stehen auf der internationalen Bootsmesse in Düsseldorf am Indiana-Stand. Warum ist Indiana hier vertreten?
Für uns ist klar, wir müssen hier sein. Die ganze Boardsport-Szene trifft sich hier. Besonders spannend ist das Networking mit den Athletinnen, Kunden und Bloggerinnen. Unsere Teamfahrer und -fahrerinnen nehmen hier vor Ort an World-Cup-Wettkämpfen teil und beantworten gleichzeitig Fragen von Besucherinnen und anderen Wassersportlern.

Maurus mit den Indiana-Pumpfoil-Boards auf der Boot.
Maurus mit den Indiana-Pumpfoil-Boards auf der Boot.
Quelle: Siri Schubert

Seit einigen Jahren seid ihr sehr aktiv im Foilsport. Warum ist das so wichtig für euch?
Wir wollen in die Zukunft investieren. Für uns bedeutet das Foilen in diesen Disziplinen: Pumpfoilen, Wingfoilen, Downwindfoilen. Da setzen wir einen Schwerpunkt und sehen wir grosses Interesse.

Wo geht deiner Meinung nach die Entwicklung beim Foilsport hin?
Das Foilen kennt man ja seit etwa zehn Jahren vom America's Cup, als die Rennyachten auf den Tragflächen abgehoben sind. Dann kam bei den olympischen Spielen 2024 in Paris die neue olympischen Windsurf-Klasse IQFOiL. Auch das Kitefoilen kennt man seit Jahren und ebenfalls von den olympischen Spielen. International wächst Wingfoilen am schnellsten. Und die Schweiz ist ein Hotspot fürs Pumpfoilen. In allen Disziplinen steigt das Level der Riderinnen und Rider sowie die Performance der Produkte rasant.

Bisher war Indiana vor allem beim Stand-Up-Paddeln bekannt. Wird Foilen das Paddeln auf dem SUP ersetzen?
Stand-Up-Paddeln ist praktisch für alle möglich, die stehen und schwimmen können. Foilen ist insgesamt um einiges schwieriger. Während Wingfoilen, also das Foilen mit einem aufblasbaren Segel in der Hand, noch vergleichsweise einfach ist, stellt das Pumpfoilen deutlich höhere Anforderungen an die Athletik. Und an das Durchhaltevermögen. Es braucht schon etwas Biss, um die ersten 500 Versuche durchzustehen, die meist nach wenigen Metern im Wasser enden.

Gibt es denn genug Sportlerinnen und Sportler, für die das infrage kommt?
Ganz sicher. Der Markt ist nicht so gross wie beim Stand-Up-Paddeln, aber wir sehen ein hohes Potenzial. Vor allem in der Schweiz gibt es sehr viele sportliche Leute aus dem Skisport, dem Snowboarden, dem Skateboarden und zusätzlich Surfer und Leichtathleten, für die die neue Sportart interessant ist. Wir haben in der Schweiz kein Meer und die Windbedingungen sind so lala. Aber Pumpfoilen ist ein Sport, den du zu jeder Tages- und Nachtzeit, Sommer wie Winter ausüben kannst. Du musst auf nichts und niemanden warten. Du hast eine ideale Kombination aus Adrenalin und Fitnesstraining. Das ist ein vielversprechender Mix. Deshalb investieren wir in diesen jungen Sport.

Die ersten Pumpfoiler durchpflügten ja vor etwa fünf Jahren die Schweizer Seen. Was hat sich seither getan?
Beim Material sehen wir enorme Fortschritte. Die Boards und Foils werden steifer, leichter, wendiger und schneller. Wir haben mit unserem Entwicklungsteam und Ingenieuren und natürlich auch computergestützten Modellierungen die Veränderungen mitgetragen und teilweise auch angeschoben. Der Leistungssprung ist von Jahr zu Jahr beachtlich. In anderen Sportarten, sagen wir im Stand-Up-Paddeln, ist das so nicht möglich. Aber im Foilen geht die Entwicklung sehr schnell voran.

Was sind aktuell die spannendsten Themen?
Im Pumpfoilen wird es noch mehr um Geschwindigkeit gehen, das sieht man auch bei den Rennen in diesem Bereich. In der hier noch am wenigsten bekannten Sportart, dem Downwindfoilen, tut sich auch einiges. Wir entwickeln neue Bretter, die länger und schmaler sind als die fürs Wingfoilen. Insgesamt geht es um die Optimierung von Speed, Gleitphasen und Drehfreudigkeit. Also schneller, agiler und reaktionsfreudiger.

Bei Wettkämpfen wie dem Weltcup-Rennen auf der Boot ist Geschwindigkeit und Agilität gefragt.
Bei Wettkämpfen wie dem Weltcup-Rennen auf der Boot ist Geschwindigkeit und Agilität gefragt.
Quelle: Indiana Paddle Surf

Indiana hat ja ein sehr erfolgreiches Team, unter anderem mit dem Weltrekordhalter Nicolas Iten und der Weltcup-Gewinnerin Sarah Spalinger. Wie wichtig ist das Team für euch?
Sehr wichtig. Es sind die Sportlerinnen und Sportler, die unser Material nutzen und zeigen, was möglich ist und wo die Grenzen sind. Toll ist, dass sie in verschiedenen Disziplinen aktiv sind. Auf Fuerteventura haben wir zwei Athleten, die sehr stark im Wingfoilen sind, aber auch in der Welle, im Freestyle und im Downwindfoilen. In Deutschland haben wir erfolgreiche Foilerinnen und Foiler. Das Gleiche gilt für Österreich, Frankreich, Italien und das spanische Festland.

Jetzt steigen ja nicht alle auf diesem hohen Niveau ein. Welche Tipps kannst du Interessierten geben, die das Foilen einfach mal versuchen wollen?
Es lohnt sich, eine Schulung zu machen. Es gibt Vereine, Schulen und Privatpersonen, die das anbieten. Bei diesem Einstieg machst du nichts falsch. Du bist an einem geeigneten Ort, bekommst das richtige Material, machst die richtigen Vorbereitungsübungen. So hast du mit viel Spass und geringem Verletzungsrisiko schnell Erfolge. Mit schnell meine ich, so etwa nach 500 Versuchen. Es gibt schon Zwischenerfolge und manchmal geht es besser und beim nächsten Mal wieder gar nicht. Du musst dich auf eine flache Lernkurve einstellen. Es wäre unseriös, etwas anderes zu behaupten. Denn wer erwartet, es an einem Nachmittag zu lernen, wird frustriert sein.

Beim Stand-Up-Paddeln ist in der Vergangenheit Kritik aufgekommen, weil sich Paddlerinnen und Paddler nicht über die Regeln informiert haben, den Naturschutz missachtet und sich und andere in Gefahr gebracht haben. Siehst du beim Foilen ein ähnliches Problem?
Es gibt Parallelen. Personen, die bisher keine Erfahrung mit Wassersport haben, sollten sich natürlich über Gefahren, Verhaltensweisen und die Regeln auf den verschiedenen Gewässern informieren. Neu gibt’s dazu den aus der Community heraus entstandenen Code of Conduct, den ich sehr begrüsse. Hier können Pumpfoilerinnen und -foiler durch ihre Unterschrift zeigen, dass sie die Regeln zur Sicherheit und zum Naturschutz kennen und sich daran halten.

Vielen Dank, Maurus, für die spannenden Einblicke.

Titelbild: Maurus Strobel

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